Zuerst die Nutzung festlegen: kalt, temperiert oder warm - davon hängen Eindeckung, Fundament und Heizung ab. Dann groß genug kaufen: mindestens 10 m² und 2 m Stehwandhöhe. Für ein ungeheiztes Gemüsehaus reicht Glas (am besten ESG oder Klarglas im Dach), für ein beheiztes Haus Stegdoppelplatten ab 8 mm. Mindestens ein Viertel der Fläche muss sich öffnen lassen, automatische Fensteröffner sind Pflicht. Vor dem Kauf beim Bauamt nachfragen.
Ob statt eines festen Hauses ein Folientunnel reicht, steht im Vergleich Gewächshaus oder Folientunnel.
Erst die Nutzung, dann das Modell
Die Bayerische Gartenakademie stellt eine Entscheidung vor jede andere: Wie soll das Haus im Winter genutzt werden? Im Sommer unterscheiden sich geheizte und ungeheizte Glashäuser nicht. Die Unterschiede zeigen sich erst in der kalten Jahreszeit - und mit ihnen Material, Fundament und Technik (LWG Bayern, Merkblatt Kleingewächshäuser).
| Nutzung | Temperatur | Geeignet für | Technik |
|---|---|---|---|
| Kalthaus (ungeheizt) | frostfrei bis etwa -5 °C draußen, darunter friert es auch innen | Gemüse ab März, Tomaten und Gurken im Sommer, robuste Kübelpflanzen | Einfachverglasung oder Hohlkammer, Punktfundament reicht meist |
| Temperiertes Haus | tagsüber 10 bis 15 °C, nachts etwa 5 °C | Überwinterung vieler Kübelpflanzen, frühe Anzucht | Zusatzheizung, Stegdoppelplatte oder Luftpolsterfolie, Wärmebrücken vermeiden |
| Warmhaus | 18 bis 22 °C im Winter | tropische Pflanzen, ganzjährige Kultur | Isolierabdeckung, wärmedämmende Profile, gemauertes frostfreies Fundament; hohe Heizkosten |
Für die meisten Hausgärten ist das Kalthaus die richtige Wahl. Schon ohne Heizung lassen sich je nach Witterung ab Anfang März Kopfsalat und Kohlrabi pflanzen und Radieschen säen, der Erntevorsprung gegenüber dem Freiland ist deutlich. Wer zusätzlich Oleander und Olive überwintern möchte, braucht ein temperiertes Haus - die 5 bis 10 °C, die diese Pflanzen im Winter mögen, schafft es nur mit einer Zusatzheizung.
Die richtige Größe: warum kleine Häuser enttäuschen
Die Gartenakademie nennt klare Mindestwerte: 10 Quadratmeter Grundfläche und eine Stehwand von etwa 2 Metern. In dieser Höhe kann man aufrecht arbeiten, Tomaten haben Platz, und das Klima im Haus schwankt weniger.
Der zweite Grund ist Mathematik. Jedes Gewächshaus braucht einen Weg, und der wird nicht schmaler, wenn das Haus kleiner wird. Bei einem Mittelgang von 60 Zentimetern sieht das so aus:
| Hausbreite | Aufteilung | Anteil Weg |
|---|---|---|
| 2,0 m | 60 cm Weg, ein Beet mit 140 cm | 30 % |
| 2,5 m | 60 cm Weg, zwei Beete à 95 cm | 24 % |
| 3,0 m | 60 cm Weg, zwei Beete à 120 cm | 20 % |
Ein schmales Haus verliert fast ein Drittel seiner Fläche an den Weg. Ein Haus von 3 Metern Breite nur ein Fünftel. Dazu kommt das Klima: Ein größeres Luftvolumen heizt sich bei starker Sonne langsamer auf und dämpft die Schwankungen zwischen Tag und Nacht. Die Gartenakademie warnt deshalb ausdrücklich vor dem günstigen "Kleinst"-Gewächshaus, das sich bald als unzureichend erweist. Wer anfangs sparen muss, wählt ein Modell, das sich später verlängern lässt.
Eindeckung: Glas, ESG, Stegdoppelplatte oder Folie
| Material | Licht | Dämmung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Blankglas (ca. 4 mm) | klar durchsichtig, sehr hohe Lichtdurchlässigkeit | gering | ohne Schattierung Verbrennungsgefahr; am besten an senkrechten Wänden |
| Klarglas (genörpelt) | hoch, aber gestreut (diffus) | gering | gut fürs Dach; glatte Seite nach außen, dort haftet weniger Schmutz |
| Sicherheitsglas (ESG) | wie Blankglas | gering | deutlich bruchfester, zerfällt im Schadensfall in stumpfe Krümel - die sichere Wahl bei Kindern und Hagelgefahr |
| Stegdoppelplatte (Hohlkammer, 4 bis 20 mm) | diffus, etwas geringer als Glas | je dicker, desto besser | leicht, bruchsicher; für beheizte Häuser 8 bis 20 mm; "No-Drop"-Ausführung lässt Schwitzwasser ablaufen statt tropfen |
| Folie (PE, UV-stabilisiert) | anfangs gut, nimmt ab | sehr gering | günstig, hält etwa drei bis vier Jahre; anfällig für Löcher und Schneelast |
Glas hat einen Vorteil, der im Katalog untergeht: Seine Eigenschaften ändern sich über die Jahre nicht. Folie wird spröde und trüb, Kunststoffplatten können vergilben. Eine bewährte Kombination nennt die Gartenakademie gleich mit: Dachflächen aus Klarglas für diffuses Licht, senkrechte Wände aus Blankglas für maximale Helligkeit. Wer Kinder hat oder in einer Hagelgegend wohnt, greift zu Sicherheitsglas.
Für ein Haus, das im Winter beheizt wird, ist die Stegdoppelplatte die bessere Wahl. Die eingeschlossene Luft senkt die Wärmeverluste, die Gartenakademie nennt für Isolierbedachungen 8 bis 20 Millimeter Stärke. Die dünnen 4- und 6-Millimeter-Platten vieler Einsteigermodelle dämmen besser als Einfachglas, für ein beheiztes Haus aber zu wenig.
Lüftung: wichtiger als die Heizung
"Lüften ist wichtiger als Heizen", schreibt die Gartenakademie. Über 25 °C leiden Ertrag und Wachstum, und an einem sonnigen Junitag ist dieser Wert in einem geschlossenen Glashaus nach kurzer Zeit überschritten. Die Faustregel: Mindestens ein Viertel der Gewächshausfläche sollte sich lüften lassen.
Bei einem Haus mit 10 Quadratmetern sind das 2,5 Quadratmeter zu öffnende Fläche. Ein einzelnes kleines Dachfenster reicht dafür bei Weitem nicht. Beim Kauf also zählen: Wie viele Dachfenster, wie groß, lassen sich zusätzliche nachrüsten, gibt es ein Seitenfenster gegenüber der Tür? Am wirksamsten ist die Lüftung im Dach, weil heiße Luft nach oben steigt, mit versetzt gegenüberliegenden Klappen.
Automatische Fensteröffner gehören in jedes Gewächshaus. Sie arbeiten ohne Strom mit einer Patrone, deren Füllung sich bei Wärme ausdehnt und das Fenster aufschiebt. Ohne sie verbrennen die Tomaten an dem Tag, an dem niemand zu Hause ist. Die Tür sollte so breit sein, dass eine Schubkarre hindurchpasst - sie ist zugleich die größte Lüftungsöffnung.
Fundament, Standort, Anschlüsse
Für einen sturmsicheren Stand ist das Fundament genauso wichtig wie die Konstruktion. Bei ungeheizten Gewächshäusern reichen in der Regel Punktfundamente, beheizbare brauchen gemauerte Fundamente. Für ganzjährig genutzte Häuser empfiehlt die Gartenakademie ein frostfreies Fundament von etwa 80 Zentimetern Tiefe. Der Hersteller nennt in der Aufbauanleitung, was das jeweilige Modell braucht.
Beim Standort zählt die Wintersonne. Das Haus darf auch bei tiefem Sonnenstand nicht im Schatten von Gebäuden oder immergrünen Gehölzen liegen. Die Längsachse in Nord-Süd-Richtung sorgt für gleichmäßiges Licht. In Hausnähe ist es auch bei schlechtem Wetter schnell erreichbar.
Wasser und Strom sind kein Luxus. Die Wasserleitung frostfrei mindestens 80 Zentimeter tief verlegen und im ungeheizten Haus vor dem Frost entleeren. Das Gewächshausdach liefert zudem Regenwasser, das sich in einer Tonne direkt daneben sammeln lässt (siehe Regenwassertank-Vergleich). Strom für Heizlüfter oder Heizmatte gehört fachgerecht verlegt; elektrische Geräte müssen gegen Tropfwasser geschützt sein.
Bei der Konstruktion lohnt ein genauer Blick auf Mischbauweisen: Wo Aluminium direkt auf Stahl trifft, korrodiert die Verbindung besonders schnell. Holzkonstruktionen sollten kesseldruckimprägniert sein, sonst werden sie in der feuchten Gewächshausluft in wenigen Jahren morsch.
Baurecht: vorher fragen
Ein Kleingewächshaus ist ein Bauwerk im Sinne des Baurechts. Ob es genehmigungsfrei ist, hängt vom Bundesland, von der Größe und vom Bebauungsplan ab - die Regeln ähneln denen für Gartenhäuser, die im Überblick Gartenhaus-Genehmigung nach Bundesländern zusammengestellt sind. Auch für verfahrensfreie Häuser gelten Abstandsflächen und die Festsetzungen des Bebauungsplans. Für Anlehngewächshäuser an der Hauswand und für Wintergärten gelten ebenfalls Bauvorschriften. Eine kurze Anfrage beim Bauamt vor dem Kauf erspart den Rückbau.
Das erste Zubehör
- Minimum-Maximum-Thermometer und Hygrometer - ohne sie bleibt das Klima im Haus Rätselraten.
- Schattiernetz oder Schattierfarbe für das Dach ab Mai.
- Regale und Tische für die Anzucht, wobei sie die Fläche darunter beschatten.
- Frostwächter für das temperierte Haus, mit Thermostat und für Gewächshäuser zugelassen.
Häufige Fragen
Welche Größe sollte ein Gewächshaus haben?
Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt mindestens 10 Quadratmeter Grundfläche und eine Stehwand von etwa 2 Metern, damit man aufrecht arbeiten kann und Tomaten Platz haben. Kleinere Häuser haben ein ungünstiges Verhältnis von Beet zu Weg und überhitzen im Sommer schneller. Erweiterbare Modelle sind eine gute Lösung, wenn das Budget anfangs knapp ist.
Glas oder Kunststoff - was ist besser?
Glas bleibt über Jahrzehnte gleich lichtdurchlässig und lässt sich gut reinigen. Sicherheitsglas (ESG) ist bruchfester als normales Blankglas. Stegdoppelplatten aus Polycarbonat dämmen besser, sind leicht und bruchsicher, lassen aber etwas weniger Licht durch. Für ein ungeheiztes Gemüsehaus ist Glas eine gute Wahl, für ein beheiztes Haus die Stegdoppelplatte.
Braucht ein Gewächshaus ein Fundament?
Ja, für einen sturmsicheren Stand. Bei ungeheizten Gewächshäusern reichen laut Bayerischer Gartenakademie in der Regel Punktfundamente, beheizbare brauchen gemauerte Fundamente. Für ganzjährig genutzte Häuser empfiehlt sie ein frostfreies Fundament von etwa 80 Zentimetern Tiefe. Die Aufbauanleitung des Herstellers nennt das passende Fundament für das jeweilige Modell.
Brauche ich eine Baugenehmigung für ein Gewächshaus?
Das hängt vom Bundesland, von der Größe und vom Bebauungsplan ab. Gewächshäuser sind Bauwerke im Sinne des Baurechts. Kleine Gewächshäuser sind in vielen Ländern verfahrensfrei, Abstandsflächen und Vorgaben des Bebauungsplans gelten trotzdem. Eine Anfrage beim Bauamt vor dem Kauf ist in jedem Fall sinnvoll.
Wie verhindere ich Überhitzung im Sommer?
Mit ausreichend Lüftung und Schattierung. Mindestens ein Viertel der Gewächshausfläche sollte sich öffnen lassen, am besten über Dachfenster, durch die die heiße Luft nach oben entweicht. Automatische Fensteröffner mit gas- oder ölgefüllter Patrone arbeiten ohne Strom. Werte über 25 °C schaden Ertrag und Wachstum.
Wie richte ich das Gewächshaus aus?
Die Längsachse in Nord-Süd-Richtung bringt eine gleichmäßige Besonnung der Pflanzen. Die Ost-West-Richtung lohnt sich nur, wenn die Wintersonne besonders wichtig ist, etwa für Überwinterung. Wichtiger als die Himmelsrichtung ist, dass das Haus auch bei tief stehender Wintersonne nicht im Schatten von Gebäuden oder immergrünen Gehölzen steht.
Weiterführend: Tomaten anbauen, Frühjahrsaussaat und Jungpflanzen, Herbst- und Wintergemüse.
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