Biodiversität im Hausgarten lebt von vier Säulen: blütenreiche Pflanzen für Bestäuber, Strukturen wie Hecken und Reisighaufen für Verstecke, Wasser für Trinken und Brutpflege, sowie Verzicht auf Pestizide. Wer 12 unterschiedliche Bestäuber-Pflanzen pflanzt, eine Hecke aus heimischen Arten setzt, ein Reisighaufen in der Ecke liegen lässt und keinen Mähroboter abends laufen lässt, hat in drei Jahren einen sichtbar artenreichen Garten.
Pflanzen für Bestäuber
| Pflanze | Blütezeit | Bestäuber | Standort |
|---|---|---|---|
| Lavendel | Juni - August | Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge | vollsonnig, trocken |
| Schmetterlingsstrauch | Juli - September | Tagfalter, Hummeln | vollsonnig |
| Sonnenhut (Echinacea) | Juli - September | Honig- und Wildbienen, Schwebfliegen | sonnig |
| Witwenblume (Knautia) | Mai - September | Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge | sonnig, trocken |
| Steppen-Salbei | Mai - August | Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge | vollsonnig |
| Wiesen-Margerite | Mai - Juli | Schwebfliegen, Käfer, Hummeln | sonnig |
| Kornblume | Juni - August | Honigbienen, Hummeln, Schmetterlinge | sonnig |
| Wilde Möhre | Juni - September | Schwebfliegen, Wildbienen, Käfer | sonnig, mager |
| Beinwell | Mai - August | Hummeln, Honigbienen | halbschattig, frisch |
| Phacelia | Juli - September | Honig- und Wildbienen, Hummeln | sonnig (als Gründüngung) |
| Aster (Wild- und Sorten) | September - Oktober | späte Bestäuber, wichtige Herbstweide | sonnig |
| Sedum (Fetthenne) | August - Oktober | Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln | vollsonnig, trocken |
Die optimale Strategie: Sortenwahl so, dass von März bis Oktober ununterbrochen Bestäuber-Pflanzen blühen. Frühblüher wie Krokus und Schneeglöckchen für die ersten Hummeln, Hauptbestand aus mittelfristig blühenden Stauden, späte Astern als Herbstweide vor dem Winter.
Vögel im Garten fördern
Die meisten heimischen Singvögel brauchen nicht nur Futter, sondern vor allem geeignete Brutmöglichkeiten. Die richtige Einfluglochgröße entscheidet darüber, welche Art den Kasten nutzt.
| Vogelart | Einflugloch | Aufhänghöhe | Nahrung |
|---|---|---|---|
| Blaumeise | 26-28 mm | 2-3 m | Insekten, im Winter Sonnenblumenkerne |
| Kohlmeise | 32 mm | 2-3 m | Insekten, im Winter Talg und Kerne |
| Rotkehlchen | Halbhöhle | 1,5-2 m | Insekten, Beeren, im Winter Haferflocken |
| Amsel | Freibrüter | dichter Strauch | Regenwürmer, Beeren, Fallobst |
| Sperling | 34 mm | 3-5 m | Samen, im Winter Körnermischung |
| Star | 45 mm | 3-5 m | Insekten, Würmer, Beeren |
| Zaunkönig | Halbhöhle | niedrig, im Gebüsch | Insekten, Spinnen |
| Buntspecht | 50-55 mm | 4-6 m | Insekten, Larven, im Winter Talg |
Wassergabe ganzjährig: eine flache Wasserschale (max. 3-5 cm tief) mit Steinen als Inseln. Bei Hitzewellen lebenswichtig, im Winter regelmäßig auftauen. Mehrere Vogeltränken ersetzen gerade in Trockenphasen das fehlende Trinkwasser in der Landschaft.
Igel und andere Säugetiere
Der Igel ist die wichtigste Säugetier-Art im Hausgarten und gleichzeitig die meist gefährdete - Igel-Populationen sind seit 1990 um über 30 Prozent zurückgegangen. Was Hausgärtner konkret tun können:
- Durchschlupf im Zaun von 13 x 13 cm zu Nachbargärten - ohne diesen Verbund stirbt die lokale Population aus.
- Reisig- oder Laubhaufen in einer ungestörten Ecke als Winterquartier und Tagversteck.
- Mähroboter nur tagsüber betreiben - die Mähroboter-Frage ist eine zentrale Gefahrenquelle für Igel.
- Wasserschale ganzjährig anbieten, vor allem in trockenen Sommern.
- Verzicht auf Pestizide, weil Igel ihre Beute fressen und sich indirekt vergiften.
- Igelfutter zur Bedarfsfütterung bei untergewichtigen Tieren im Spätherbst - aber keine Milch oder Brot.
Biodiversitäts-Strukturen
Der größte Biodiversitäts-Hebel sind nicht einzelne Pflanzen, sondern die Strukturvielfalt im Garten. Sechs Bausteine sollte jeder biodiverse Garten haben:
- Heimische Hecke aus Weißdorn, Schlehe, Holunder, Liguster, Hainbuche als Lebensraum für Vögel und Kleinsäuger
- Reisighaufen oder Totholzecke für Igel, Eidechsen, Insekten
- Trockenmauer oder Steinhaufen für wechselwarme Tiere und Wildbienen
- Wildblumenwiese (auch 10-20 m² reichen) für Insekten
- Wasserstelle in jeder Form - flache Schale, Mini-Teich, Vogeltränke
- Insektenhotel oder mehrere kleine Nisthilfen für Wildbienen und solitäre Wespen
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FAQ
Welche Pflanzen helfen Bienen am meisten?
Lavendel, Sonnenhut, Witwenblume, Steppen-Salbei und späte Astern decken zusammen die gesamte Bienensaison von Mai bis Oktober ab. Wichtig ist die Sortenwahl - viele Zuchtformen sind gefüllt und liefern keinen Nektar. Botanische Sorten und Wildarten sind den modernen Zuchtsorten meist überlegen.
Wo soll ein Vogelhäuschen aufgehängt werden?
In 2 bis 3 Metern Höhe an einem ruhigen Ort, vor Wetter und Katzen geschützt. Einflugloch in Wetter-abgewandte Richtung (meist Nordost). Vor Anfang März aufhängen, damit Vögel sich vor der Brutzeit eingewöhnen können. Mindestens 5 Meter Abstand zwischen Kästen verschiedener Reviere.
Wie helfe ich Igeln im Hausgarten?
Igelhütte aus Holz im geschützten Eck (Reisig- oder Laubhaufen), Wasserschale (kein Milch!), Verzicht auf Mähroboter ab Abend, Durchschlupf von 13x13 cm im Zaun zu Nachbargrundstücken. Wichtig: keine Pestizide, weil Igel die Beute fressen und sich vergiften.
Was unterscheidet Wild- und Honigbienen?
In Deutschland leben rund 561 Wildbienen-Arten - viele davon spezialisiert auf bestimmte Pflanzen. Honigbienen sind generalisten und decken einen breiten Pflanzenkreis ab. Wildbienen sind durch Insektensterben deutlich stärker gefährdet als Honigbienen. Ein guter Garten unterstützt beide.
Funktioniert ein Insektenhotel wirklich?
Wenn richtig gebaut und richtig aufgestellt, ja. Wichtig sind glatte Bohrlöcher (nicht splitterig), unterschiedliche Lochgrößen von 2 bis 9 mm, sonniger Standort, regenfreie Vorderkante und dass kein Wind durch das Hotel zieht. Viele gekaufte Insektenhotels haben gravierende Konstruktionsfehler - selber bauen ist meist besser.
Welche Säugetiere kommen in Hausgärten vor?
Igel sind die häufigsten, gefolgt von Eichhörnchen, Mäusen verschiedener Arten und Maulwürfen. Fuchs und Marder kommen in Stadtrandgebieten dazu, Wildschweine in waldnahen Regionen. Die meisten Säugetiere sind nützlich oder neutral - aktiv gefördert werden sollten vor allem die unter Artenschutz stehenden Igel.
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