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Tomaten-Krautfäule verhindern: robuste Sorten und Pflege-Strategie
Spezial-Ratgeber

Tomaten-Krautfäule verhindern: robuste Sorten und Pflege-Strategie

Phytophthora infestans bei Tomaten vorbeugen: warum Blattnässe der Schlüssel ist, welche robusten Sorten helfen, das Tomatendach und die richtige Reihenfolge der Maßnahmen.

Stand: 15. Juni 202611 Min
Kurzantwort

Der Schlüssel ist trockenes Laub: Krautfäule-Sporen brauchen einen Wasserfilm auf dem Blatt. Ein Tomatendach, eine robuste Sorte (Primabella, Resibella, Crimson Crush), 60 cm Abstand und bodennahes Gießen verhindern den Befall weitgehend. Kupfer kommt erst, wenn alles andere nicht reicht.

Warum Tomaten faulen - und was wirklich hilft

Die Krautfäule wird von Phytophthora infestans ausgelöst, demselben Erreger, der auch die Kartoffel befällt. Seine Sporen können nur keimen, wenn ein Wasserfilm auf dem Blatt liegt, und sie lieben kühl-feuchtes Wetter um 15 bis 21 °C - typisch für regnerische Julitage (Notcutts). Daraus folgt die wichtigste Regel überhaupt: Wer das Laub trocken hält, nimmt dem Pilz die Lebensgrundlage. Alles andere ist Ergänzung.

Häufig springt der Pilz von benachbarten Kartoffeln über - es ist derselbe Erreger. Tomaten und Kartoffeln gehören deshalb nicht direkt nebeneinander, und nach einem Befall pausiert man beide am Standort für einige Jahre.

Die richtige Reihenfolge der Maßnahmen

Schutz vor Krautfäule ist kein einzelner Trick, sondern eine Kette - und die Reihenfolge zählt:

  1. Robuste Sorte wählen. Sie erkrankt später und schwächer, immun ist aber keine.
  2. Laub trocken halten. Ein Tomatendach ist der wirksamste Einzelschutz, weil trockene Blätter nicht infiziert werden.
  3. Für Luft sorgen. Mindestens 60 cm Abstand, ausgeizen und die unteren Blätter entfernen lassen alles rasch abtrocknen.
  4. Erst dann spritzen. Pflanzenstärkung vorbeugend, Kupfer nur bei akutem Befall - im Bioanbau ist die Menge begrenzt.

Robuste Sorten

SorteRobustheitGeschmackHinweis
Primabella (samenfest)sehr robust, Cocktailtomatesehr guteigenes Saatgut möglich
Resibella (samenfest)sehr robustsehr guteigenes Saatgut möglich
Philovita F1sehr robust, Cocktailtomategut, ertragreichF1-Hybride
Phantasia F1robustgutF1-Hybride
Crimson Crush F1eine der robustesten am MarktmittelFleischtomate
Rote Murmel / Wildtomatensehr robustklein, aromatischwüchsig, viele kleine Früchte

Samenfeste Sorten wie Primabella und Resibella haben einen Vorteil: Man kann ihr Saatgut selbst gewinnen und im nächsten Jahr wieder aussäen. Crimson Crush gilt als eine der widerstandsfähigsten Sorten überhaupt, schmeckt aber weniger fein als die kleinen Cocktailtomaten.

Schutz-Maßnahmen im Überblick

MaßnahmeWirkungKosten
Tomatendach oder überdachter Standhält Blätter trocken - der wirksamste Schutz30-200 €
Robuste Sorte wählenerkrankt deutlich später und schwächergering
Stand-Abstand mind. 60 cmLuft trocknet die Blätter ab0 €
Bodennah gießen, nie über die Blätterkein Wasserfilm auf dem Laub0 €
Untere Blätter bis 30 cm entfernenunterbindet Spritzinfektion vom Boden0 €
Mulchschichtverhindert hochspritzende Sporen aus der Erdegering
Abstand zu KartoffelnKartoffeln sind die Hauptinfektionsquelle0 €
Kupferpräparat erst bei Befallbremst die Ausbreitung, im Bioanbau nur begrenzt erlaubt15-30 €

Häufige Fragen

Woher kommt die Krautfäule überhaupt?

Vom selben Erreger wie die Kartoffel-Krautfäule, Phytophthora infestans. Die Sporen brauchen einen Wasserfilm auf dem Blatt und kühl-feuchtes Wetter um 15 bis 21 °C, dann breiten sie sich ab Juli explosionsartig aus. Häufig springt der Pilz von benachbarten Kartoffeln über - Tomaten und Kartoffeln gehören deshalb nicht direkt nebeneinander.

Wie erkenne ich Krautfäule?

An bräunlich-grünen, schnell wachsenden Flecken auf den Blättern, oft mit weißlichem Pilzrasen an der Unterseite. Der Stängel zeigt dunkle Streifen, die Früchte harte braune Stellen. Bei feuchtem Wetter kann eine Pflanze binnen Tagen zusammenbrechen - früh handeln ist alles.

Sind resistente Sorten wirklich immun?

Nein, immun ist keine Tomate. Robuste Sorten wie Primabella, Resibella oder Crimson Crush erkranken aber deutlich später und schwächer und tragen oft eine Ernte ein, wo anfällige Sorten längst eingegangen sind. Bei extrem feuchtem Wetter zeigen auch sie Symptome - die Sortenwahl ist ein Baustein, nicht die ganze Lösung.

Brauche ich ein Tomatendach?

In Regionen mit feuchten Sommern ist es der wirksamste Einzelschutz, weil es die Blätter trocken hält - und trockenes Laub kann der Pilz nicht infizieren. Ein einfaches Dach gibt es ab etwa 30 €, ein Folientunnel ist aufwendiger. Wer Jahr für Jahr Tomaten verliert, hat die Investition schnell wieder drin.

Kann ich befallene Pflanzen noch retten?

Bei beginnendem Befall die betroffenen Blätter sofort abschneiden und in den Hausmüll geben - nicht auf den Kompost, dort überlebt der Erreger. Für mehr Luft sorgen, eventuell ein Kupferpräparat einsetzen. Ist die Pflanze stark befallen, entfernt man sie ganz, um die Nachbarn zu schützen.

Was mache ich am Saisonende?

Befallene Pflanzen niemals kompostieren, sondern über den Hausmüll entsorgen. Im Folgejahr am selben Platz keine Tomaten und keine Kartoffeln anbauen - eine Anbaupause von einigen Jahren unterbricht den Kreislauf. Ein Tomatendach reinigt man vor der neuen Saison.

Weiterführend: Tomaten anbauen Anleitung, Pilzkrankheiten erkennen, Samenfest vs. F1-Hybride.

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