Die Honigbiene ist ein Nutztier und nicht bedroht - die rund 600 Wildbienenarten sind es, über die Hälfte steht auf der Roten Liste. Wer Bienen helfen will, fördert die Wildbienen: offene Bodenstellen zum Nisten, ein durchgehendes Blühangebot von Februar bis Oktober und ungefüllte, heimische Pflanzen. Eine Imkerei braucht es dafür nicht.
Das große Missverständnis
Wenn vom Bienensterben die Rede ist, denken die meisten an die Honigbiene - und an Imkern als Rettung. Beides geht am Problem vorbei. Die Honigbiene ist ein vom Menschen gehaltenes Nutztier und alles andere als gefährdet. Bedroht sind die Wildbienen: Von den rund 600 Arten in Deutschland sind 40 bereits ausgestorben und über die Hälfte steht auf der Roten Liste (Deutsche Wildtier Stiftung).
Ob viele Honigbienenvölker den Wildbienen schaden, ist wissenschaftlich umstritten. Klar ist aber: Bei hoher Völkerdichte konkurrieren beide um dieselben Blüten, und Krankheiten können überspringen (Mellifera). Ein zusätzliches Bienenvolk im Stadtgarten hilft den bedrohten Arten jedenfalls nicht. Die gute Nachricht: Wildbienen fördert man mit einfachen Mitteln, ganz ohne Imkern.
Wildbiene und Honigbiene im Vergleich
| Kriterium | Wildbiene | Honigbiene |
|---|---|---|
| Arten in Deutschland | rund 600 Arten | 1 Art (Apis mellifera) |
| Lebensweise | meist Einzelgänger (solitär) | Staat mit 20.000-60.000 Tieren |
| Nistplatz | Erdröhren, hohle Stängel, Totholz, Lehm | Beute/Stock vom Imker |
| Spezialisierung | rund ein Drittel auf bestimmte Pflanzen festgelegt | Generalist, sammelt überall |
| Bedrohungsstatus | 40 Arten ausgestorben, über 50 % gefährdet | Nutztier, nicht gefährdet |
| Was im Garten hilft | Nistplätze und durchgehendes Blühangebot | Trachtpflanzen, ist aber versorgt |
Wildbienen richtig fördern
Wildbienen brauchen zwei Dinge: einen Nistplatz und Nahrung in der gesamten Flugzeit. Der häufigste Denkfehler ist, nur an das Insektenhotel zu denken - dabei nistet der größere Teil der Arten im Boden, nicht in Röhren.
| Maßnahme | Details |
|---|---|
| Bodenstellen offen lassen | ein Großteil der Wildbienen nistet im Boden - sonnige, sandige, vegetationsfreie Flächen nicht mulchen |
| Totholz und hohle Stängel | Brennnessel- und Staudenstängel über Winter stehen lassen, Holzhaufen anlegen |
| Durchgehendes Blühangebot | von Februar (Weide, Krokus) bis Oktober (Aster, Efeu) immer etwas in Blüte |
| Heimische Pflanzen bevorzugen | gefüllte Zuchtblüten liefern oft weder Pollen noch Nektar - ungefüllte Wildformen wählen |
| Lehmstelle als Baumaterial | Mauerbienen brauchen feuchten Lehm zum Verschließen ihrer Brutzellen |
| Keine Pestizide | Insektizide treffen Wildbienen genauso wie Schädlinge |
Die wirksamste Maßnahme kostet nichts: eine sonnige, sandige Bodenstelle vegetationsfrei lassen statt sie zu mulchen. Dort graben bodennistende Wildbienen ihre Brutröhren - kein Insektenhotel der Welt ersetzt das.
Der Insektenhotel-Fehler, den fast alle machen
Die meisten gekauften Insektenhotels sind dekorativ, aber kaum bewohnbar. Glas- und Plastikröhrchen stauen Hitze und Feuchtigkeit, sodass die Brut verschimmelt. Ausgefranste Bambushalme und gespaltenes Weichholz verletzen die empfindlichen Flügel, und Bohrungen ins Stirnholz reißen mit der Zeit auf. Kiefernzapfen, Stroh und Lochziegel sind reine Zierde. Was wirklich angenommen wird, sind saubere Bohrungen von 2 bis 9 mm ins Längsholz von abgelagertem Hartholz sowie glatt geschnittene, splitterfreie Schilf- oder Bambushalme - aufgehängt vollsonnig nach Süden und regengeschützt.
Blühangebot über die ganze Saison
| Zeit | Wildbienen-Pflanzen |
|---|---|
| Februar-April | Krokus, Schneeglöckchen, Lungenkraut, Sal-Weide, Schlehe, Obstblüte |
| Mai-Juni | Storchschnabel, Wiesensalbei, Natternkopf, Glockenblume, Esparsette |
| Juli-August | Lavendel, Wilde Möhre, Königskerze, Sonnenhut, Flockenblume |
| September-Oktober | Aster, Efeu, Wegwarte, späte Fetthennen-Sorten |
Entscheidend ist die Lücke im Hochsommer und Frühherbst zu schließen, wenn viele Gärten ausgeblüht sind. Aster, Efeu und späte Fetthennen sind dann oft die letzte Nahrungsquelle vor dem Winter.
Häufige Fragen
Hilft Imkern den bedrohten Bienen?
Nur indirekt. Die Honigbiene ist ein gehaltenes Nutztier und nicht gefährdet - bedroht sind die Wildbienen. Imkern schützt die Natur deshalb nicht von selbst. Ob viele Honigbienenvölker den Wildbienen sogar schaden, ist wissenschaftlich umstritten, doch hohe Völkerdichten können über Nahrungskonkurrenz und Krankheitsübertragung negativ wirken. Wer Bienen helfen will, fördert im Zweifel die Wildbienen, nicht die Imkerei.
Warum sind Wildbienen für den Garten so wertvoll?
Viele Wildbienen bestäuben effizienter als Honigbienen und fliegen auch bei kühlerem, feuchtem Wetter, wenn Honigbienen im Stock bleiben. Manche Pflanzen, etwa Tomaten, werden durch die Vibrationsbestäubung von Hummeln deutlich besser befruchtet. Ein wildbienenreicher Garten trägt darum oft mehr Obst und Gemüse.
Welcher Insektenhotel-Fehler ist am häufigsten?
Die meisten gekauften Insektenhotels sind kaum nutzbar: Glas- und Plastikröhrchen führen zu Schimmel und Stauhitze, ausgefranste Bambusröhrchen und gespaltenes Holz verletzen die Flügel, und Bohrungen ins Stirnholz reißen auf. Kiefernzapfen und Stroh sind reine Deko. Gut sind saubere Bohrungen von 2 bis 9 mm ins Längsholz von Hartholz und glatt geschnittene Schilf- oder Bambushalme.
Wo hänge ich eine Nisthilfe richtig auf?
Vollsonnig nach Süden oder Südosten, regengeschützt und fest montiert, damit nichts wackelt. Etwa in Augenhöhe und mit freiem Anflug. Eine Nisthilfe ersetzt aber keine offenen Bodenstellen - der größere Teil der Wildbienen nistet im Erdreich, nicht in Röhren.
Sind gefüllte Blüten schlecht für Bienen?
Meist ja. Bei gefüllten Zuchtsorten sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet, sodass sie kaum Pollen und oft auch wenig Nektar bieten - hübsch, aber für Bienen wertlos. Ungefüllte Wild- und Bauerngarten-Formen liefern dagegen reichlich Nahrung.
Weiterführend: Wildbienen fördern, Insektenhotel richtig bauen, Insektenfreundlicher Garten.
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