gartenfeeling
Oleander im Kübel wird im Herbst ins Winterquartier gebracht
Anleitung

Oleander überwintern: Quartier, Gießen, Schnitt und Schildläuse

Die Blüten für den nächsten Sommer sitzen schon jetzt an den Triebspitzen. Wie hell der Oleander überwintert, entscheidet, wie viele davon aufgehen.

Stand: 16. Oktober 20269 Min
Kurzantwort

Oleander so spät wie möglich einräumen - leichte Fröste bis etwa -5 °C verträgt er kurzfristig. Überwintern hell bei 4 bis 8 °C, in kühlen Räumen nur alle zwei bis drei Wochen gießen, nicht düngen. Vor dem Einräumen auf Schildläuse kontrollieren und nicht pauschal zurückschneiden: Ungeöffnete Blütenstände blühen im nächsten Jahr weiter. Ab Mitte April wieder hinaus, die ersten Tage in den Halbschatten.

Wann der Oleander hinein muss

Oleander ist robuster, als sein Ruf vermuten lässt. Die Bayerische Gartenakademie lässt ihn von Mitte April bis etwa Mitte Oktober im Freien stehen und schreibt, dass er kurzfristig geringe Frostgrade verträgt (LWG Bayern, Merkblatt Oleander). Eingeräumt wird so spät wie möglich.

Der Grund: Ein Innenraum ist fast immer dunkler als der Garten im Herbst. Jeder Tag, den der Strauch draußen verbringt, ist ein Tag weniger im Halbdunkel. Praktisch heißt das: Bei einzelnen Nächten um 0 °C bleibt er stehen, nahe an die Hauswand gerückt. Sind mehrere Frostnächte oder Werte unter -5 °C angesagt, kommt er hinein.

ZeitraumWas tunWarum
bis Mitte Oktoberdraußen lassen, Düngen ist seit Ende August eingestelltJeder Tag im Freien bringt mehr Licht als jeder Innenraum.
vor dem ersten Frost unter -5 °Cauf Schädlinge kontrollieren, dann einräumenKurze, leichte Fröste verträgt der Strauch, längere nicht.
November bis Februarhell bei 4 bis 8 °C, Wasserbedarf ein- bis zweimal pro Woche prüfenKühle bremst den Stoffwechsel, Licht hält die Blätter.
Märzwenn möglich auf 10 bis 12 °C anhebenDie Blüte setzt dann früher ein.
ab Mitte Aprilbei milder Witterung hinaus, erst einige Tage HalbschattenDie Blätter verbrennen sonst in der ersten direkten Sonne.

Das richtige Quartier: 4 bis 8 °C und so hell wie möglich

Die Bayerische Gartenakademie nennt 4 bis 8 °C bei möglichst viel Licht und einen Raum, der sich gut lüften lässt. Licht ist dabei mehr als eine Frage des Überlebens: Je heller der Oleander überwintert, desto mehr Blütenanlagen bildet er. Bei schwachem Licht muss der Raum dafür besonders kühl sein, sonst treibt der Strauch lange, weiche Triebe ohne Blüten.

OrtBewertungBegründung
Unbeheizter Wintergarten oder Gewächshaus mit Frostwächteridealhell, kühl, gut zu lüften
Helles Treppenhaus, Stiegenhausgutoft wärmer als 8 °C, mit Thermometer prüfen
Garage mit Fenstergutkühl genug; Pflanze nicht in den Abgasstrom stellen
Heller Kellerraumbrauchbarnur, wenn er wirklich unter 8 °C bleibt
Dunkler Keller, Dachboden ohne FensterschlechtBlattfall, lange, weiche Triebe
Wohnraum mit HeizungungeeignetSchildläuse und Spinnmilben vermehren sich explosionsartig

Die Sächsische Gartenakademie gibt zwei weitere Hinweise, die beim Oleander besonders zählen: Beim Einräumen sollten Außen- und Quartiertemperatur annähernd gleich sein, weil rasche Wechsel ein Schock für die Pflanze sind. Und in der Garage darf der Strauch keine Abgase abbekommen (Sächsische Gartenakademie).

Ein kleiner Trick für mehr Blüten: Lässt sich das Quartier im März auf 10 bis 12 °C anheben, setzt die Blüte früher ein. Der Oleander startet dann mit einem Vorsprung in den Sommer.

Große Kübel bewegen

Ein älterer Oleander im Terracotta-Topf ist schnell zu schwer, um ihn allein zu tragen. Wer ihn jedes Jahr zweimal trägt, sollte das Werkzeug dafür haben: Ein Pflanzenroller mit feststellbaren Rollen für Pflanzen, die auf ebenem Boden bleiben, eine Sackkarre mit breiter Schaufel für Treppenstufen. Vor dem Transport die Triebe locker mit einer Schnur zusammenbinden, dann passt der Strauch durch die Tür und bricht nicht.

Bei jedem Kontakt mit Schnittstellen Handschuhe tragen. Der Pflanzensaft darf nicht in Wunden, Mund oder Augen kommen.

Gießen und Düngen im Winter

Im Sommer ist Oleander durstig, an heißen Tagen manchmal zweimal täglich. Im Winter dreht sich das um. Die Gartenakademie gibt eine klare Faustregel: Je heller und wärmer der Raum, desto mehr Wasser wird verbraucht. In kühlen Räumen bei 4 bis 6 °C reicht es, alle zwei bis drei Wochen zu gießen. Kontrolliert wird trotzdem ein- bis zweimal pro Woche, denn ein Strauch im hellen Wintergarten trocknet deutlich schneller aus als einer in der Garage.

Gedüngt wird von April bis Ende August wöchentlich, danach nicht mehr. Wer im Herbst weiter düngt, regt späte, weiche Triebe an, die im Quartier vergeilen.

Schneiden ohne die Blüten von morgen

Der häufigste Fehler beim Einräumen: Der Strauch ist zu groß für die Garage, also wird ringsum eingekürzt. Damit verschwinden genau die Triebspitzen, an denen die Blüten für das nächste Jahr sitzen. Oleander blüht an Blütenständen, die sich im Herbst teils noch nicht geöffnet haben und im Folgejahr weiterwachsen.

Besser ist ein Auslichtungsschnitt alle paar Jahre. Dabei werden die längsten und ältesten Triebe bis ins alte Holz herausgenommen, der Rest bleibt unberührt. Die Pflanze wird kleiner und lichter, ohne die Blüte zu verlieren. Der richtige Zeitpunkt ist nach der Blüte oder kurz vor dem Einräumen. Junge Pflanzen werden durch Stutzen buschiger, blühen dann aber später.

Schildläuse, Blattläuse und Oleanderkrebs

Das Winterquartier ist die Zeit der Schildläuse. Sie sitzen als braune, unbewegliche Schilde an Blattunterseiten und Zweigen und hinterlassen klebrigen Honigtau. Leichten Befall wischt man mit einem nassen Schwamm ab. Bei stärkerem Befall ist Geduld gefragt: Die Junglarven leben geschützt unter dem Schild der Mutterlaus und wandern schubweise ab. Nur dann sind sie angreifbar, deshalb muss mehrmals im Abstand von drei bis fünf Tagen behandelt werden. Schmierläuse, erkennbar an weißen, wattigen Belägen, bekämpft man auf dieselbe Weise.

Bei Blattläusen warnt die Gartenakademie vor Sprays mit Treibgas: Das verdunstende Gas kühlt die Blätter so stark ab, dass Kälteschäden entstehen können. Pumpzerstäuber sind die bessere Wahl.

Ernster ist der Oleanderkrebs, eine bakterielle Krankheit. Sie beginnt mit kleinen dunklen Punkten auf den Blättern, die später abfallen; an Trieben entstehen knotige Wucherungen. Ein Mittel dagegen gibt es nicht. Die befallenen Triebe werden bis ins gesunde Holz ausgeschnitten, die Schere danach mit Alkohol gereinigt. Stark befallene Pflanzen sollten entsorgt werden, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet. Weitere Erreger im Schädlings-Überblick.

Giftig: worauf Familien achten sollten

Oleander gehört zu den Hundsgiftgewächsen. Blätter, Blüten und Rinde enthalten herzwirksame Glykoside, vor allem Oleandrin. Nach dem Verschlucken sind Übelkeit, Erbrechen und Herz-Kreislauf-Störungen möglich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält größere Aufnahmemengen für unwahrscheinlich, weil die Pflanzenteile sehr bitter schmecken (BfR-Giftgarten).

Im Winterquartier wird das Thema konkreter als im Sommer: Abgefallene Blätter im Treppenhaus liegen genau dort, wo Kleinkinder krabbeln und Katzen spielen. Laub regelmäßig auflesen und den Strauch nicht in einen Raum stellen, in dem sich Kinder oder Tiere unbeaufsichtigt aufhalten. Mehr zu sicheren Gärten für Tiere im Beitrag Hunde- und katzensicherer Garten.

Ausräumen im Frühjahr

Ab Mitte April darf der Oleander bei milder Witterung wieder hinaus. Die ersten Tage gehört er in den Halbschatten, sonst verbrennen die Blätter, die monatelang kaum direkte Sonne gesehen haben. Danach an den wärmsten, sonnigsten Platz, den der Garten hergibt - Oleander blüht nur in warmen Sommern reich, bei kühlem Wetter öffnen sich die Knospen oft nicht. Gefüllte Sorten stehen am besten regengeschützt, ihre Blüten faulen in nassen Jahren stark.

Ältere Pflanzen werden alle drei bis fünf Jahre umgetopft, junge jährlich. Das Frühjahr vor dem Ausräumen ist dafür der beste Moment.

Häufige Fragen

Wie viel Frost verträgt Oleander?

Kurzfristig leichte Fröste bis etwa -5 °C, wenn der Strauch abgehärtet ist und der Topf geschützt steht. Längerer Frost schädigt erst die Triebspitzen und Knospen, dann den Wurzelballen im Kübel. Deshalb einräumen, bevor stärkere oder mehrtägige Fröste angesagt sind - in vielen Regionen ist das Ende Oktober bis Mitte November.

Kann Oleander dunkel überwintern?

Nur als Notlösung und dann so kühl wie möglich, um 4 bis 5 °C. Oleander ist immergrün und braucht auch im Winter Licht. Im Dunkeln wirft er Blätter ab und bildet weniger Blütenanlagen für das nächste Jahr. Je dunkler der Raum, desto kühler muss er sein, damit der Strauch nicht weiterwächst.

Wie oft gießt man Oleander im Winterquartier?

In kühlen Räumen bei 4 bis 6 °C reicht es nach Angabe der Bayerischen Gartenakademie, alle zwei bis drei Wochen zu gießen. Je heller und wärmer der Raum, desto mehr Wasser braucht der Strauch. Den Bedarf ein- bis zweimal pro Woche mit dem Finger in der Erde prüfen; Staunässe vermeiden.

Soll ich Oleander vor dem Winter zurückschneiden?

Nicht pauschal. Blütenstände, die sich im Herbst nicht mehr geöffnet haben, blühen im nächsten Jahr weiter. Wer alle Triebe einkürzt, schneidet diese Knospen ab. Ist der Strauch zu groß, besser einige der längsten und ältesten Triebe bis ins alte Holz herausnehmen - nach der Blüte oder vor dem Einräumen.

Warum bekommt mein Oleander im Winter gelbe Blätter?

Einzelne gelbe Blätter im Inneren der Pflanze sind normal, Oleander erneuert sein Laub laufend. Viele gelbe Blätter auf einmal deuten auf zu wenig Licht bei zu viel Wärme oder auf zu nasse Erde hin. Schwarze Punkte mit gelbem Rand, die später zu Wucherungen werden, sind dagegen ein Zeichen für Oleanderkrebs.

Ist Oleander giftig für Kinder und Haustiere?

Ja. Blätter, Blüten und Rinde enthalten herzwirksame Glykoside wie Oleandrin. Nach dem Verschlucken drohen Übelkeit, Erbrechen und Herz-Kreislauf-Störungen. Der bittere Geschmack verhindert meist, dass größere Mengen gegessen werden. Bei Verdacht auf eine Vergiftung das Giftinformationszentrum, bei Tieren den Tierarzt anrufen.

Weiterführend: Olivenbaum überwintern, Zitronenbaum überwintern, Mediterraner Garten anlegen.

gartenfeeling Redaktion

Das unabhängige Magazin für deutsche Hausgärten. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Praxis-Tests und kuratierte Hausgärtner-Stimmen. Mehr über die Redaktion →